Ist die Vogelgrippe im Anflug?

Jeden Tag gibt es neue Sensationsmeldungen zum Thema Vogelgrippe, Schweine-grippe oder Geflügelpest. Was hat es mit den Kürzeln H1N1 (sog. „Schweinegrippe“), H5N1 oder H7N9 (sog. „Vogelgrippe“) eigentlich auf sich? Grippeviren können Vögel und auch manche Säugetiere infizieren. Auf ihrer Oberfläche besitzen sie ein Molekül namens „Hämagglutinin“ (Abkürzung H), mit dem sie an fremde Zellen andocken und dann in sie eindringen können. Sind die Viren einmal in die Wirts-zelle gelangt, zwingen sie die Wirtszellen, selbst Grippeviren herzustellen. Damit ist die Infektion in vollem Gange. Es gibt 16 verschiedene „H“-Varianten. Daher stammen die Bezeich-nungen H1 bis H16. Das zweite Molekül, das auf der Oberfläche der Grippeviren sitzt, heißt

„Neuraminidase“ (Abkürzung N). Hiervon gibt es neun verschie-dene Varianten (von N1 bis N9). Es kommen sämtliche Varianten von H und N-Typen vor, die sich jedoch in Bezug auf die krank-machenden Fähigkeiten unter-scheiden. Besonders gefährlich für Vögel sind die Typen H5N1, H7N7 und H7N3. Bei Menschen oder anderen Säugetieren führen nur bestimmten H-Typen zu einer Erkrankung. Die Erbsubstanz von Influenza –A-Viren ist in acht Segmente aufgeteilt. Wenn die kranke Wirtszelle nun neue Grippeviren herstellt, kommt es schnell zu Veränderungen der H-und N-Typen und damit ändert sich auch die Oberfläche der Viren.

Das ist für uns Menschen nicht sehr vorteilhaft, da unsere Impfstoffe an die jeweilige Oberflächenstruktur der Viren angepasst sind. Ändert sich diese, so hilft der Impfstoff nicht mehr. Dasselbe gilt für antivirale Medikamente, gegen die der Erreger dann resistent wird. Hilft beispielsweise ein Impfstoff gegen den Typ H1N1 oder H3N2, so schützt die Impfung nicht gegen H5- oder H7- Vogelgrippe-viren. Hierauf haben sich nun die Impfstoffhersteller vorbereitet, indem sie unterschiedliche

Grundtypen in der Warteschleife haben und in kurzer Zeit einen passenden Impfstoff zur Verfügung stellen können. Derzeit stecken sich Menschen nur direkt bei infiziertem Geflügel an. Eine Übertragung zwischen Menschen konnte bisher noch nicht fest-gestellt werden. In China gibt es aufgrund der großen Menge an Wildvögeln viele Virusvarianten. Dort leben außerdem Menschen mit ihrem Geflügel sehr eng zusammen und können sich leicht anstecken und verbreiten sich auf den chinesischen Geflügel-märkten. Durch beherztes Eingreifen der chinesischen Behörden werden rigoros Geflügelmärkte geschlossen und das Geflügel getötet, sobald Infektionen auftauchen. Dies geschieht auch in Europa als Vorsichtsmaßnahme. Unsere Behörden handeln besonnen und gehen kein Risiko ein – also kein Grund zur Panik.